
Rundum Umbau & Sanierung
Zwischen freigelegten Riegelwänden und rohen Materialien transformierte sich die ehemalige Mühle zu einem lebendigen Treffpunkt, an dem sich Vergangenheit und Gegenwart miteinander vermahlen.
Die Untermühle blickt auf eine fast 700-jährige Geschichte zurück. Als Teil des historischen Mühlenensembles entlang von Farenbach und Eulach wurde sie bereits 1370 erstmals erwähnt. Über Jahrhunderte prägten Mühlenbetrieb, Landwirtschaft und Gastwirtschaft das Haus. Bis in die 1970er Jahre wurde hier Korn gemahlen, die Gaststube schloss erst um die Jahrtausendwende ihre Türen.
2017 erwarben die Genossenschaft WAK und die Heimatschutzvereinigung Elgg das Gebäude gemeinsam. Mit viel Engagement, Idealismus und Mut zur Veränderung entstand daraus die «rundum.müli Elgg» – ein lebendiger Ort für Wohnen, Arbeiten, Kultur und Begegnung. Wo einst gemahlen wurde, wird heute gewohnt, gearbeitet, gekocht und gemeinsam gelebt. Ein Bistro, Ateliers und unterschiedliche Wohnformen öffnen die ehemalige Mühle wieder für das Dorf.
Während des Planungsprozesses wurde das Gebäude unter Schutz gestellt und gilt heute als kommunales Denkmalschutzobjekt. Eine besondere Herausforderung bestand darin, viele Räume bewusst offen und multifunktional zu gestalten. Nicht jede Nutzung wurde von Anfang an festgelegt – vielmehr sollte sich das Haus gemeinsam mit seinen Bewohnerinnen, Bewohnern und Gästen weiterentwickeln.
Projektierung
Realisierung

Die Transformation der ehemaligen Mühle verbindet rohe Materialität, historische Spuren und neue Nutzformen zu einem Haus voller Charakter und Leben.
Im Zuge der Totalsanierung wurde das Gebäude auf seine historische Grundstruktur freigelegt, neu organisiert und statisch ertüchtigt. Massive Annexbauten wurden rückgebaut und durch gut proportionierte Terrassen ersetzt. Unterschiedliche Bodenhöhen innerhalb des Hauses konnten ausgeglichen werden, während ein neues, innenliegendes Treppenhaus mit Lift heute eine hindernisfreie Erschliessung aller Geschosse ermöglicht.
Historische Spuren bleiben dabei bewusst sichtbar. Alte Stützen im Keller wurden erhalten, sichtbare Riegelwände freigelegt und mit neuen Ausfachungen ergänzt. Im Erdgeschoss lädt heute ein Bistro mit Gastroküche zum Verweilen ein, darüber befinden sich Ateliers und Büros und im Dachgeschoss zwei Wohnungen. Neue Lukarnen und zusätzliche Dachfenster bringen Licht bis tief ins Gebäude und schaffen grosszügige Räume mit besonderer Stimmung.
Materialisierung und Fassade
Die Materialisierung greift die rohe und authentische Atmosphäre der ehemaligen Mühle auf. Lange, gebürstete Weisstannenriemenböden, welche weiss pigmentiert geölt wurden, verleihen den oberen Geschossen Ruhe – fast so, als läge noch heute ein feiner Schleier Mehl über den Dielen. Fugenlose, naturbelassene Anhydrit Böden lenken den Blick auf die freigelegten groben Riegelstrukturen und lassen den historischen Bestand bewusst wirken. Im Bistro setzt ein Fischgratparkett einen warmen und charaktervollen Akzent. Historische Wandmalereien wurden an den Decken aufgenommen und mit spielerischer Leichtigkeit weitergeführt.
Für die Gebäudehülle wünschte sich die Bauherrschaft vehement ein farbiges und fröhliches Statement. Statt einer klassischen Farbgebung zeigt sich die neu verputzte Fassade heute in einem Rose pâle – einem Blütenrosa mit staubigem Grauanteil. An der Westfassade wich die alte Eternitfassade einer grünen Holzverkleidung. Gemeinsam mit der Fassadenmalerei erzählt sie vom Wandel des Hauses und verabschiedet die ehemalige Nutzung als Mühlebetrieb verspielt.
Zukunftsfähig, aber mit Geschichte
Ergänzende Innendämmungen, ein optimierter Dachaufbau sowie vollständig erneuerte Haustechnik und Brandschutzmassnahmen machen die historische Mühle fit für ihre neue Zukunft – ohne ihre Geschichte zu verlieren.























