
Lind – Umbau einer Winterthurer Stadtvilla
Bauen im Bestand – durch selektive Reduktion, sorgfältig gesetzte Eingriffe und klar formulierte neue Elemente. Es entsteht ein fliessendes räumliches Kontinuum, das die historische Identität der Villa bewahrt und zugleich eine zeitgemässe Wohnform für eine Familie subtil weiterentwickelt.
Die Stadtvilla an der Gottfried-Keller-Strasse im Äusseren Lind in Winterthur wurde 1892 durch das Architekturbüro Rittmeyer & Furrer errichtet. Bereits 1915 erfuhr das Gebäude einen ersten substanziellen Eingriff: Das Erdgeschoss wurde erweitert und eine Flachdachterrasse für das Obergeschoss geschaffen. Eine weitere Überformung folgte um 1970, als die Innenräume weitgehend erneuert und im Untergeschoss eine Tierarztpraxis eingerichtet wurde.
Nach dem Erwerb verfolgte die neue Eigentümerfamilie das Ziel, die historische Substanz zu sichern und zugleich eine zeitgemässe Wohnstruktur zu etablieren. Der Entwurf antwortet darauf mit einer klaren Haltung: Rückbau dort, wo spätere Eingriffe die räumliche Qualität des historischen Baubestands überlagerten, und präzise Ergänzungen dort, wo neue Nutzungsanforderungen entstehen.
Im Erdgeschoss wurde die bestehende Struktur weitgehend freigestellt und neu organisiert. Die Verlagerung der Küche bildet den zentralen Eingriff und ermöglicht eine zusammenhängende Raumfigur, die Wohnen, Essen und Kochen selbstverständlich miteinander verknüpft. Innendämmungen wurden angebracht, um die Behaglichkeit zu erhöhen. Der in den 1970er Jahren eingebrachte Steinboden wurde durch ein durchgehendes Parkett ersetzt. Fein abgestimmte Farbflächen, als reduzierte Neuinterpretation der fehlenden historischen Wandtäfer verbinden die Räume atmosphärisch miteinander.
Projektierung
Realisierung
Innenarchitektur: Petra Eggenberger

Einbauten wie die Sitzbank im Erker, der kompakt organisierte Garderobenbereich sowie ein doppelseitiges Cheminée strukturieren den Raum und schaffen zonierte Übergänge innerhalb des offenen Grundrisses.
Der Aussenraum wird dabei als Erweiterung des Wohnraums verstanden und entsprechend differenziert gestaltet: Die Flachdachterrasse im Anschluss an die Küche wird als nutzbare Ebene mit integrierten Kräuter- und Pflanzfeldern, einem Holzdeck und zurückhaltend gesetzter Beleuchtung ausgebildet.
Vorhandene Substanz erhalten
In den Ober- und Dachgeschossen stand der Erhalt der vorhandenen Substanz im Vordergrund. Wandvertäfelungen und Riemenböden wurden sorgfältig instandgesetzt und in ihrer Materialität gestärkt. Die Eingriffe konzentrieren sich auf die Neuorganisation der Nassräume, wo durch gezielte Ergänzungen eine höhere funktionale Qualität und Privatsphäre erreicht wird. Das Material- und Farbkonzept folgt konsequent dem Bestand und führt bestehende Elemente in einer zurückhaltenden, präzisen Detaillierung weiter – etwa durch den Einsatz durchgefärbter Zementfliesen.
Auch die Gebäudehülle wurde instand gesetzt und energetisch ertüchtigt. Neue Fenster und Fensterläden, ein neuer Dämmputz sowie die Sanierung der Flachdächer bringen das Gebäude auf den aktuellen technischen Stand. Das Fassadenkonzept basiert auf einem weissbeigen Grundton mit mineralischem Rotpigment, das je nach Lichteinfall – insbesondere in den Abendstunden – eine subtile, rosé nuancierte Farbigkeit entfaltet und die plastische Wirkung der Fassade unterstreicht.




















