
Baumeistervilla von Rosa zu Ocker
Im Spannungsfeld von Erhalt und Erneuerung erhält die Villa eine Aussensanierung. Der charakteristische Fassadenschmuck wird bewahrt und in seinem Ausdruck gestärkt. Das Projekt vereint denkmalpflegerische Sorgfalt mit zeitgemässen, energetischen Anforderungen an die Gebäudehülle.
Die freistehende Baumeistervilla an der Neuwiesenstrasse in Winterthur, erbaut zwischen 1901 bis 1903, ist im kommunalen Inventar der schutzwürdigen Bauten verzeichnet. Entsprechend prägen hohe Anforderungen an Gestaltung, Einordnung und den Erhalt des gebietstypischen Charakters den Umgang mit dem Bestand.
Der plastische Fassadenschmuck aus Naturstein strukturiert und prägt die Erscheinung des für den Strassenraum bedeutenden Gebäudes. Zusammen mit dem asymmetrisch gestalteten Baukörper, dem markanten Eckturm und der bewegten Dachlandschaft entsteht der für den Historismus typische architektonische Ausdruck.
Die Erschliessung erfolgt über die Nordostfassade, während sich das Gebäude durch seine Setzung auf der Parzelle mit einem grosszügigen Gartenraum nach Nordwesten öffnet. Im Erdgeschoss befindet sich eine Zahnarztpraxis, die durch einen durchgehenden Gurtsims klar von den Obergeschossen abgesetzt ist. Die differenziert ausgebildeten Naturstein-Fenstereinfassungen mit Konsolen und Stichbögen im Erdgeschoss sowie Verdachungen in den Obergeschossen prägen die feingegliederte Fassadenstruktur. Um 1950 wurde das Erdgeschoss um ein zusätzliches Zimmer erweitert, ergänzt durch eine Garage im Untergeschoss sowie eine darüberliegende Flachdachterrasse. In den Obergeschossen liegt eine grosszügige Achtzimmerwohnung, während das Dachgeschoss 1986 zu einer weiteren Wohnung ausgebaut wurde. Der gleichzeitig aufgebrachte kunststoffvergütete Fassadenputz überlagerte die plastischen Elemente und schwächte deren ursprüngliche Ausdruckskraft.
Projektierung
Realisierung

Der Fassadenschmuck wurde sorgfältig restauriert, Fenster und Türen erneuert und energetisch optimiert. Ein fein abgestimmter Ockergelbton verleiht der Fassade eine neue Präsenz und fügt, das Gebäude selbstverständlich in das Strassenbild ein.
Ab 2022 wurde in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege und dem Amt für Energie und Technik eine umfassende Fassaden- und Dachsanierung projektiert. Der geschädigte Aussenputz wurde vollständig entfernt und durch einen diffusionsoffenen Wärmedämmputz ersetzt, der die Natursteinelemente wieder freilegt und ihre Wirkung stärkt.
Der bestehende Anbau wurde durch eine filigrane Stahlkonstruktion ergänzt und die Terrassenfläche erweitert. Auch der Dachaufbau wurde energetisch ertüchtigt: Anstelle der bestehenden Eterniteindeckung kommt eine Aufsparrendämmung mit traditioneller Schieferdeckung zum Einsatz. Die charakteristische Dachform bleibt erhalten und wird in ihrer Wirkung denkmalpflegerisch gestärkt.
Die Altlast auf der Parzelle, der frühere Öltank – wurde aus dem Erdreich entfernt; die bestehende Grube wurde anschliessend mit einem neuen Regenwassertank bestückt.
Die Sanierung folgt dem Anspruch, die architektonische Identität der Villa zu bewahren und zugleich behutsam in die Zukunft zu führen. Alle Eingriffe erfolgen mit grosser Zurückhaltung und in respektvollem Dialog mit dem Bestand.

















